Das FMG im Europäischen Parlament

Zum dritten Mal in Folge machten sich Schülerinnen und Schüler der Sozialwissenschaftskurse der Q2 des FMG am 28.11.2018 auf nach Brüssel zum Europäischen Parlament. Auf Einladung der Europa-Wahlkreisabgeordneten Frau Kammerevert wurde zunächst das neue Museum des Parlaments, das „Parlamentarium“, bestaunt. Mit seinen vielseitigen interaktiven Erkundungsmöglichkeiten begeisterte es.
2018_11_20181128_ep-078852a_pqt_008In dem anschließenden Gespräch mit Frau Kammerevert erfuhren die Schülerinnen und Schüler nicht nur wie der Berufsalltag einer Parlamentsabgeordneten verläuft, sondern könnten sich ebenfalls nach der persönlichen Meinung der Abgeordneten zu aktuellen Themen, wie z. B. dem Brexit, erkundigen. Auch wenn leider keine Plenardebatte anstand war der Besuch des Plenarsaals mit seinen 24 Übersetzungskabinen sicherlich ein Highlight.
Nach einer geführten Bustour durch Brüssel verzauberte die Brüsseler Innenstadt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichermaßen, und trotz eines langen Tages waren sich alle einig: Eigentlich war dieser Tag noch viel zu kurz!
Katja Vollbach, Foto: Team Kammerevert

Die Europawoche am FMG: Europapolitik ganz nah

Einer Europawoche kommt an einer Europaschule eine besondere Bedeutung zu. So freute sich das Franz-Meyers-Gymnasium außerordentlich, mehrere für Mönchengladbach bedeutende Politikerinnen und Politiker an der Schule begrüßen zu dürfen. Die Jahrgangsstufen 7, 9 und Q1 bereiteten hierzu mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Fragestunden, Projekte und Diskussionen vor.

Den Anfang machten am Freitag (04.05.2018) Gülistan Yüksel (MdB, SPD) und Jochen Klenner (MdL, CDU), die sich als Interviewpartner für die 9. Klassen des Franz-Meyers-Gymnasiums zur Verfügung stellten. Während bei Frau Yüksel nach einem EU-Quiz vor allem Fragen zu aktueller Politik beantwortet wurden, stellte Herr Klenner die Frage in den Mittelpunkt, was Politik überhaupt ist und bedeutet. Beide machten mit viel Herzlichkeit deutlich, dass Politik nicht einfach nur „dort oben“ oder „weit weg“ stattfindet, sondern direkt vor Ort, mitten unter uns. Mit viel Einsatz warben sie vor allem für mehr politisches und gesellschaftliches Engagement bei der Jugend.

Klenner

Herr Klenner im Interview

Frau Yüksel verwies auf die Bedeutung von Wahlen, gab aber zudem ganz praktische Beispiele, wie auch Jugendliche ihre Interessen in die Politik weitertragen könnten: So gäbe es Jugendorganisationen von jeder Partei, aber Politiker und Politikerinnen seien auch immer Ansprechpartner und freuten sich über Briefe. Herr Klenner machte deutlich, dass sich viele Schülerinnen und Schüler bereits engagierten und ihnen einfach nur nicht bewusst sei, wie politisch ihre Arbeit ist. Denn, so die Quintessenz, wenn Politik die Regeln unseres Zusammenlebens gestaltet, ist dann nicht jegliches Engagement politisch? Das Feedback der Schülerinnen und Schüler jedenfalls war durchweg positiv und einige schienen ermutigt, schon bald Stift und Papier in die Hand zu nehmen und die eine oder andere Frage per Brief an die Politiker zu stellen.

Yüksel1

Frau Yüksel stellt sich und Europa vor.

Am Montag (07.05.2018) nahmen sich zu diesem Anlass Frau Petra Kammerevert (MdEP, SPD, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung) und Herr Dr. Günter Krings (MdB, CDU) die Zeit, an unsere Schule zu kommen. Moderiert vom Leistungskurs Sozialwissenschaften der Q1 stand bei Frau Kammerevert das Thema der Europäischen Identität im Mittelpunkt, beziehungsweise die Frage, wie Menschen für ein Mehr an Europa gewonnen werden können – gerade in Zeiten eines erstarkenden Nationalismus innerhalb Europas. Mit viel Gespür für die Interessen und Sprache der Schülerinnen und Schüler brachte Frau Kammerevert ihnen die EU näher, machte sie konkreter und greifbarer. Deutlich betonte sie, dass ein Heimatgefühl einerseits und ein Zugehörigkeitsgefühl zur EU andererseits keinesfalls ein Gegensatzpaar bilden, sondern vielmehr eine Symbiose, die zusammen eine Europäische Identität gestalten. Alte Identitäten zu wahren und neue zuzulassen, sich über gemeinsame Geschichte und Kultur zu definieren, ohne Unterschiede gleich zu machen, sei ihre Herangehensweise. Und so sprach sie sich auch gegen Englisch als Amtssprache im Parlament aus.

Kammerevert3

Frau Kammerevert im Gespräch mit unserern Schülern

Mit einem Herz für die Region („Natürlich war ich gestern bei der Fortuna im Stadion!“) und einer Leidenschaft für die EU („Der Reiz an EU-Politik ist, mit den unterschiedlichen Mentalitäten gemeinsam gute Lösungen für Bürgerinnen und Bürger zu finden!“) transportierte sie diesen Gedanken der Symbiose authentisch und lebendig. Auf die Frage, welche der Zukunftsvisionen des Kommissionspräsidenten Juncker sie selbst präferieren würde, antwortete sie mit einem eigenen Modell: Dort verstärkt EU-Politik zu betreiben, wo es notwendig ist, beispielsweise in der Steuer- und Sozialpolitik, die Regelungswut der EU in anderen Bereichen jedoch zurückzunehmen und nationalen und kommunalen Ebenen hier mehr zu vertrauen.

Was jedoch können nun Schülerinnen und Schüler für ein starkes Europa leisten? Auch hier wusste Frau Kammerevert konkrete Lösungen: Zivilcourage zeigen gegen Rassismus und Populismus, sich in Gesprächen für eine Weiterentwicklung der EU stark machen, sich engagieren in parteilichen und überparteilichen Organisationen und die Angebote der EU, wie zum Beispiel das Erasmus Plus-Projekt, wahrnehmen.

Kammerevert4Nach 60 Minuten in sehr angenehmer Atmosphäre verabschiedete sich Frau Kammerevert und hinterließ Interesse, Neugier, konkrete Handlungsvorschläge und Vorfreude auf den Besuch des EU-Parlaments der Sozialwissenschaftskurse im November.

Kammerevert2Herr Dr. Krings verriet dem Leistungskurs Geschichte der Q1während einer kurzen Vorstellungsrunde, dass er auch ein paar Semester Geschichte studiert hat und stellte die Nähe von Politik und Geschichte in den Vordergrund.

Krings1

Herr Dr. Krings mit den Moderatoren

Die moderierenden Schülerinnen und Schüler leiteten dann zu den inhaltlichen Schwerpunkten über: Europapolitik und europäische Geschichte. Herr Dr. Krings vermochte es, die Schülerinnen und Schüler in das Gespräch einzubinden und ging stets auf die Lebenssituation und die Interessen seiner Gesprächspartner ein. So wurde beispielsweise über den europäischen Einigungsprozess, die Bedeutung der Weltkriege, sowie über Nationalismus und Antisemitismus debattiert. Auch der internationale Terrorismus, die innere Sicherheit und der Themenbereich Migration stellten Diskussionspunkte dar.

Krings4Es fand ein ausgewogener und sachlicher Gedankenaustausch in lockerer Atmosphäre zwischen Schülerinnen und Schülern und ihrem Gastredner statt. Die Schülerinnen und Schüler waren jedenfalls begeistert.

Krings3

Am Mittwoch wird noch Herr Frank Boss (MdL, CDU) mit den siebten Klassen an einem Europaprojekt mitwirken, um zu zeigen, dass politische Bildung auch schon bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern beginnen kann.

Die Gespräche zur Europawoche am FMG waren demnach sehr ertragreich für alle Beteiligten. Wir freuen uns auf eine Wiederholung!

Reaktion Frau Yüksel: https://mg-heute.de/diskussion-in-giesenkirchen-ich-wuensche-mir-einen-aufbruch-zu-einem-solidarischen-europa/

Katja Vollbach und Markus Köhn

Die Podiumsdiskussion zur NRW-Landtagswahl am Franz-Meyers-Gymnasium

Am letzten Donnerstag fand sie nun endlich statt: Die von der SV unter Mithilfe von Frau Vollbach organisierte Podiumsdiskussion zur NRW-Landtagswahl 2017 im PZ des Franz-Meyers-Gymnasiums (FMG).

Beim Betreten des Saals bemerkte man sofort die Arbeit, die hinter dieser Veranstaltung steckte: Die Jahrgangsstufe Q1 hatte einen Getränke- und Snackstand organisiert, die SV bereitete die Bühne vor und versteckte die Präsente für die Gäste, nachdem sie das PZ bestuhlt hatte, Jan Wimmers aus der Q1 machte den Toncheck und die Moderatorin des Abends, Frau Birgit Krapp, traf unsere Gäste zu einem „Briefing“ vor der Diskussion.

IMG_2861edit

Das PZ füllte sich langsam, als die Politiker im Saal erschienen: Frank Boss (CDU), Hans-Willi Körfges (SPD), Lena Zingsheim (Grüne), Daniel Winkens (FDP) und Rohat Yildirim (Linke). Sie nahmen zunächst vor der Bühne Platz, da die Schülerinnen und Schüler nach einer Begrüßung der Schülersprecherin Dana Paulussen eine kurze Einführung in die beiden Hauptthemen des Abends mit Hintergründen und Statistiken als Präsentation vorbereitet hatten. Da die Themen „Flüchtlingssituation und Integration von Flüchtlingen“ und „Schulpolitik in NRW“ im Vorfeld von den älteren Schülerinnen und Schülern als für sie besonders relevant bewertet wurden, standen diese im Fokus.

Daraufhin begann die eigentliche Diskussion, die auch Raum für Fragen aus dem Publikum bot. Nach einer Vorstellungsrunde, bei der Frau Krapp nach den Beweggründen fragte, warum die jeweiligen Kandidaten sich für die Politik entschieden hatten, wurde der erste große Themenblock zur Flüchtlingspolitik eingeleitet. Im Folgenden werden die Beiträge der Kandidaten hierzu kurz dargestellt:

IMG_2874edit.

Einig waren sich die Kandidaten, dass die Aufnahme von Flüchtlingen ein humanitärer Akt sei, und daher grundsätzlich zu befürworten sei. Zudem bestand Konsens, dass vor allem die Fluchtursachen bekämpft und die „Lasten“ fairer in Europa verteilt werden müssten. Verneint wurden zudem jeglicher Populismus und Radikalismus in Flüchtlingsfragen. Über diese allgemeinen Äußerungen hinaus kristallisierten sich jedoch inhaltliche Unterschiede bei den Kandidaten heraus, sobald es konkreter wurde: Frau Yildirim bezichtigte die Bundesrepublik Deutschland der Kriegstreiberei, da sie durch Waffenexporte und die Präsenz der Bundeswehr im Nahen Osten einerseits Kriegspartei sei und andererseits die Hauptfluchtursache (Krieg in Syrien und dem Irak) verstärke. Sowohl das Publikum als auch die anderen Kandidaten der Runde wollten das so nicht stehen lassen: Es folgten heftiger Widerspruch und deutliche Gegenargumente, sowie Nachfragen, beispielsweise zur Rolle Russlands in Syrien. Waffenexporte, z. B. nach Saudi-Arabien, wurden trotz Genehmigung durch den damaligen SPD-Wirtschaftsminister Gabriel allerdings von allen kritisch gesehen. Darüber hinaus wurde über „Sichere Herkunftsländer“ und die Abschiebepraxis diskutiert, wobei der SPD-Kandidat Hans-Willi Körfges von der Linie seiner Bundespartei abwich, und zu verstehen gab, dass einige genehmigte Abschiebungen, beispielsweise nach Afghanistan, nicht durchgeführt werden sollten. Zudem waren sich alle darüber einig, dass es keine Kontingentierungen und Obergrenzen, oder finanzielle Einschränkungen von Förderprogrammen geben solle.

Auf die Integration der Flüchtlinge in NRW und vor Ort in Giesenkirchen angesprochen, waren sich wiederum alle Kandidatinnen und Kandidaten einig, dass deutlich mehr, vor allem im Bereich Bildung, getan werden müsse. Frank Boss stellte hierzu die deutlichen Defizite an den Schulen NRWs dar: Eine zu geringe Personaldecke, zu große Klassen, ein zu geringes Raumangebot und eine meistens nicht vorhandene psychologische und sonderpädagogische Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer wurden angemerkt. Es müssten mehr Lehrer vor allem für Sprach- und Integrationskurse eingestellt werden, und besonders im Grundschulbereich endlich Entlastungen für die „arg gebeutelten“ Grundschullehrerinnen und -lehrer geschaffen werden. Kleinere Lerngruppen, Entlastung bei der ebenfalls gescheiterten Inklusion und zusätzliche pädagogische Unterstützung durch externes Fachpersonal seien hier nötig. Von Frau Zingsheim als Vertreterin der in Bildungsfragen verantwortlichen Grünen wurde hierauf wenig erwidert. Sie wies lediglich darauf hin, dass Fachpersonal erst noch ausgebildet werden müsse. Frau Yildirim wolle das Anforderungsniveau senken, damit Flüchtlingskinder nicht abgehängt würden. Herr Winkens schloss sich in seiner Argumentation Herrn Boss an und verwies zudem auf die katastrophale räumliche und technische Ausstattung der Schulen in NRW. Auf Nachfrage aus dem Publikum stimmte Herr Körfges als Regierungsvertreter mit dem Fragesteller überein, dass man sich neben der Flüchtlingsintegration, für die sehr viel Geld aufgewendet wird, auch um die Verlängerung der Förderprogramme in Schule und Wirtschaft für bereits länger in Deutschland lebende Migranten kümmern müsse.

Nun folgte der deutlich emotionalere Teil des Abends: die Debatte über die Schulpolitik. Viele Fragen aus dem Publikum, und hier vor allem seitens der Schülerschaft, waren hier sicher. Zunächst wurde, anknüpfend an die oben bereits dargestellte Situation bezüglich der Integration der Flüchtlinge, von Herrn Boss und Herrn Winkens die desolate Lage der meisten Schulen in NRW und die geringe Attraktivität des Lehrerberufs dargestellt: „Schulen in der technologischen Steinzeit“, Lehrermangel, zu große Lerngruppen, grauenhafte Bausubstanz, zu wenige Räume, gescheiterte Inklusion, Unterrichtsausfälle, systematische und einkalkulierte Überforderung und Gängelung von Lehrerinnen und Lehrern durch Bürokratie und psychologischen Stress an allen Schulen und keine Rücksichtnahme auf individuelle und lokale Probleme charakterisierten das Schulwesen in NRW. Die Schilderung einer Schülerin des FMG, die den ständigen Lehrerwechsel in der EF beklagte, machte den akuten Lehrermangel ebenfalls deutlich. Herr Bruder, der Schulleiter des FMG, räumte darüber hinaus ein, dass auch das FMG Unterrichtsausfälle zu verkraften habe, die zwar schlimm, aber nicht erkennbar überdurchschnittlich seien. CDU und FDP möchten hier vor allem durch ein höheres Investitionsprogramm und die Schaffung von deutlich mehr Lehrerstellen entgegenwirken. Herrn Winkens war die schnellstmögliche Digitalisierung der Schulen sehr wichtig. Herr Körfges und Frau Zingsheim verwiesen als Vertreter der Regierungsparteien auf die „guten Resultate“ der Landesregierung bei der Lehrereinstellung und bei der Inklusion. Sie mussten sich jedoch bei einer Nachfrage aus dem Publikum „Gleichmacherei“ und „Ungerechtigkeit“, sowie die „Schwächung der Gymnasien“ vorwerfen lassen. Frau Yildirim sah das „gemeinsame Lernen“ über die Grundschule hinaus, das weitere Absenken des Leistungsdrucks und der -anforderungen, sowie die Abkehr vom Fachunterricht, also der Wissensvermittlung, als wichtige Aspekte zur Verbesserung des Schulwesens in NRW an. Sowohl Frau Zingsheim als auch Herr Körfges forderten zur Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs die Vereinheitlichung der Lehrerbesoldung für alle Schulformen mit einem Einstiegsgehalt der Besoldungsstufe A13 (Studienrat an Gymnasien), und deuteten somit eine Abkehr vom mehrgliedrigen Schulsystem an. Die Stärkung der Wissensvermittlung und die Vorbereitung auf eine akademische Karriere schienen eher nachrangig zu sein.

Kein Kandidat forderte die Abschaffung des achtjährigen gymnasialen Bildungsganges (G8). Die CDU und die FDP möchten die Schulen selbst entscheiden lassen, ob sie G9 wieder einführen wollen. Die SPD und Grünen tendieren hingegen dazu, die Schülerinnen und Schüler individuell entscheiden zu lassen, so dass G8 und G9 an den Schulen parallel angeboten werden solle. Diese Äußerungen wurden vom Publikum mit größerem Raunen begleitet. Zudem ließ sich keiner auf eine Klassengröße von höchstens zwanzig Schülerinnen und Schülern ein, wie vom Publikum gefordert. Finanzielle Zwänge stünden dahinter.

IMG_2917edit

Nach einer kurzen Schlussrunde war die Veranstaltung nach etwa zwei Stunden beendet, und Dana Paulussen bedankte sich mit dem SV-Vorstand im Namen der Schülerschaft mit kleinen Präsenten bei allen Beteiligten. Vor allem die Schülerinnen und Schüler hätten gerne noch länger diskutiert. Frau Krapp als Moderatorin gelang es, den Abend professionell und abwechslungsreich zu moderieren, die Debatte voranzutreiben, die unterschiedlichen politischen Lager gleichmäßig zu Wort kommen zu lassen und das Publikum zu integrieren. Ihr gilt der besondere Dank aller Beteiligten und des Franz-Meyers-Gymnasiums.